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  • AutorenbildJosef Köberl

Schwimmen in der Pasterze

Ein Schwimmausflug zur Pasterze schwebt mir seit einigen Jahren im Kopf herum. Als ich mit Christian Redl auf einem Eisberg im Pasterzensee stand, war mir klar, dass wollen mehrere Menschen machen.



Die Pasterze war noch vor wenigen Jahren ein 8 Kilometer langer Gletscher eingebettet zwischen dem Großglockner 3798 Meter und der Kaiser Franz-Josefs-Höhe 2369 Meter. Der Kaiser von Österreich besucht Kärnten 1856 und wanderte mit Sissi von Heiligenblut bis zu diesem Punkt um den Großglockner zu bewundern.

Für diese kaiserliche Unternehmung brauchte ich natürlich eine standesgemäße Kutsche. Ein Gefährt immer und immer wieder extra anzumieten war keine Option mehr und ich besorgte mir den Eisbus. Der endgültige Name wird noch gesucht!

Nun stand im Juni, der Planung nichts mehr im Wege. Doch, Hotel und Teilnehmer fehlten noch. Es ist nicht einfach in einem Tourismusland kurzfristig eine Gruppe unterzubringen und im Ausseerland schon gar nicht. OK, Grundlsee war ausgebucht. Der Tourismusverband gab mir dann den Kontakt vom OptimaMed Gesundheitsresort Bad Mitterndorf. Die Buchung klappte hervorragend.

Nun noch die Reise auf meiner Webseite aktivieren und es kann losgehen. Nach einigen Posts via Instagram und Facebook war die Reise, die ich schon mündlich allen angekündigt habe, raus.

Die Teilnehmer die sich nun meldeten waren allesamt Wiederholungstäter. Alle waren schon mit dabei bei einem Workshop am Hintertuxer Gletscher - Schwimmen im Natureispalast, in einer Gletscherspalte bei weniger als 0 Grad. Das waren besondere Teilnehmer, das waren Freunde und Vertraute.

Der Wetterbericht für unser Wochenende versprach geniales Wetter. Schon bei der Abfahrt in Wien war keine Wolke am Himmel. Die Teilnehmer also in voller Vorfreude und gespannt auf die Wassertemperaturen.

Am Weg haben wir Barbara in Korneuburg abgeholt und nun geht es ab zum Hotel. Sie startete erst im März und ist hineingekippt. Sie liebt das kalte Wasser. In Bad Mitterndorf treffen wir Steffi. Sie kommt aus dem Landkreis Miesbach Deutschland und ist seit einiger Zeit begeisterte Eisschwimmerin. Sie war auch schon sehr erfolgreich beim Weltcup in Burghausen.

Das Hotel liegt südlich von Bad Mitterndorf und ist nur im Sommer für Gäste buchbar. Im Rest des Jahres werden dort im Kurbetrieb Menschen mit Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates beherbergt. Auch im Sommer werden Therapien und Kuren durchgeführt. Was ich nicht verstehe, die Aufenthalte werden von den Personen gewünscht um ihre Schmerzen zu lindern und ihre Gesundheit zu verbessern. Da gehört vermutlich starkes Rauchen auf den Balkonen dazu. Das war, für einen Nichtraucher und jemanden der am liebsten bei offenem Fenster schläft, ein Gräuel. Den Erfolg dieser Kur wird auch mit meinen Beiträgen gestützt. Das musste ich hier einfach loswerden. Alle die dabei waren können diesen Umstand sicher bestätigen.



Eingecheckt und bereit auf kaltes Wasser fahren wir zum Grundlsee. Unser Stopp ist in Gößl. An einem schönen Samstag-Nachmittag ist es fast unmöglich einen Parkplatz zu bekommen. Zum Glück kann ich den Parkplatz meines Bruders benutzen. Vielen Dank Franz! Man merkt, wie genervt die Anrainer von den vielen Touristen sind die sich irgendwo einen Parkplatz nehmen. Eine gute Lösung für alle zu finden wird wohl nie klappen.

Das Auto abgestellt, Schwimmsachen geschultert und los geht es. Ab zum öffentlichen Badestrand. Am südlichen Teil, dort wo keine Leute im Wasser sind, ist unser Ziel. Der Stimitzbach, er entspringt bei den Stimitzlöchern welche vom Karstgestein des Toten Gebirges gespeist werden. Das Wasser hat im Jahresschnitt herrliche 7 Grad Celsius. Nicht nur für die Taucher sind die Sprungschichten ein Traum. Das kalte Wasser bringt immer mehr Freunde des kühlen Nass ins Ausseerland. Für unser Vorhaben, am Sonntag in der Pasterze zu schwimmen gerade richtig.

Es ist besonders wichtig den Körper auf das kalte Wasser der Pasterze langsam vorzubereiten. Wir hatten einen ganzen Nachmittag Zeit den Körper zu trainieren. Mit viel Spaß gelang das hervorragend. Wir hatten allerdings noch kein Essen heute. Das wurde zum Running-Gag. Wir waren Standhaft und haben die sehr stark unterschiedlichen Temperaturen genossen.

Nachdem alle mindestens schon 3 mal im Stimitzbach waren ging es auf zum nächsten Ziel. Wir nahmen die wichtigsten Dinge (Badesachen, Ohrstöpsel, Boje, Schwimmbrille und Handtuch) auf und gingen etwa 300 Meter zur Ranftl-Mühle. Ein wildromantischer Platz. Die Ranftl Mühle wurde nach dem Wiener Maler Johann Matthias Ranftl (1805–1854) benannt, die der Maler öfters aufsuchte um schöpferische Kraft zu tanken.

Für uns hieß es hier nochmals eine Steigerung des Trainings. Die Wassertemperatur hatte überraschende 5,3 Grad. Also sehr frisch für diese Jahreszeit. Genau richtig für unser Vorhaben. Man kann dort von der Brücke in den Wasserfall blicken oder auf der anderen Seite die Gletschermühlen im Wasser betrachten. Aber das schauten wir uns genauer an. Hab noch kurze eine Einweisung gegeben. Einige Teilnehmer kannten den Platz schon. Doch Silvia und Michaela berichtete, dass der Wasserstand damals niedriger war. Der starke Regen der letzten Zeit hat den Bach anschwellen lassen. Hier zu diesem Zeitpunkt zu schwimmen braucht es Erfahrung. Seit vielen Jahren habe ich diesen Ort immer wieder aufgesucht für besondere Trainingseinheiten. Bei guten Verhältnissen kann man hier gut gegen die Strömung schwimmen. Bei allen Teilnehmern merkt man bereits die gute Anpassung und den Spaß der nicht abreißt.



Irgendwann müssen wir dann ja doch raus aus dem Wasser! Dem einen oder anderen knurrt schon der Magen. Also ab zu „Rostigen Anker“. Direkt am Wasser gelegen haben wir ohne Voranmeldung einen Tisch bekommen. Die vielen Glückshormone zeigten ihre Wirkung und wir lachten und Gaudi. Das merkte auch der fantastisch geduldige Kellner. Er nahm die kreativen Bestellungen mit viel Humor. Das Essen war sehr gut und die Nachspeise gleich noch besser. Next time – again!

Zurück im Hotel benutzten bzw. besichtigten wir noch den SPA Bereich. Für mich eine Spur zu warm. Aber eigentlich alles da, auch eine Kneipp Anlage für Wechselbäder, Saune und Innen- sowie Außenpool.



Um 0700 waren wir bereits beim Frühstück denn wir hatten noch einiges vor. Die Anreise zur Kaiser Franz-Josefs-Höhe dauert doch knapp 3 Stunden. Eigentlich war ich vom Frühstück positiv überrascht. Alles da was man gerne hat.

0800 Uhr los geht´s. Im Tandem, Stefi fährt uns mit dem Cabrio nach. Sie ist nicht alleine, Barbara gesellt sich zu ihr. Beim Bärenwirt in Fusch an der Glocknerstraße durften wir Stefis Auto parken und gemeinsam kletterten wir mit dem Eisbus in Richtung Fuscher Törl 2428 Meter über dem Meer.



Die Großglockner Hochalpenstraße verbindet Salzburg mit Kärnten. Im Jahr 1933 wurde begonnen die Straße zu bauen. Schon zur Römerzeit transportierten Säumer Waren über das Hochtor – die höchste Erhebung auf dem Weg.

Nach unterhaltsamer Fahrt, ich war nicht nur Trainer sondern auch Fremdenführer (Ice-Guide), gelangten wir zu Kaiser Franz-Josefs-Höhe. Gefühlt waren dort 4oo Motorräder geparkt und Touristen und Besucher aus allen Teilen der Welt.

Kurz haben wir die Murmeltiere bei ihrem Treiben beobachtet. Auch einen Murmeltier Familien Streit haben wir gesehen. Da hat es Watschen (Ohrfeigen) gehagelt.

Schnell die Bergschuhe angezogen und das Ticket für die Gletscherbahn gekauft. Die Gletscherbahn wurde 1963 eröffnet. In wenigen Minuten haben wir die 220 Meter hinter uns gebracht. Beim Ausstieg sahen wir die erste Tafel. Bis hierher reichte das Eis 1960. Unser Ziel war ein schöner Platz wenn möglich mit Eisberg im Wasser.

Der Pasterzensee liegt auf einer Höhe von unter 2100 Meter Seehöhe. Der höchste Punkt des Gletschers liegt auf 3453 Meter über dem Meer. Wie ein Hufeisen umschlingt der Gletscher den Johannisberg – noch. Der Rückgang des Gletschers umfasste mehrere Jahre über 50 Meter. Die Dicke nimmt auch 10 Meter im Jahr ab. Bedauerlich doch Veränderung ist ein Merkmal dieser Erde. Also können wir uns auch ändern!

Nach nicht einmal 25 Minuten waren wir in einer sandigen Bucht. Links davon das Objekt der Begierde – der Eisberg. Nach mehreren Messungen hatte das Wasser 4 Grad. Durch die vielen Schwebstoffe und Mineralien fühlte es sich wie 1 Grad an. Nicht viel aber das kennt jeder Eisschwimmer. Jedes Wasser fühlt sich anders an.

Um allen Teilnehmern ein sicheres Schwimmen zu ermöglichen wurde durch mich der Eisberg erkundet und freigegeben. Die Einweisung hielt ich vom Eisberg ab. Er war sehr nah keine 15 Meter vom Strand entfernt. Aufgrund der Oberflächenstruktur und Lage durfte der Eisberg durch den See gerollt sein und hier auf einer Sandbank festliegen. Eine Teilnehmerin nach der anderen bewegte sich zum Eisberg und bestieg ihn. So ein Erlebnis hatte sich jeder erträumt und der Traum wurde wahr. Für mich war es schön anzusehen, dass nun Kälte eigentlich keine Rolle spielte, sondern die Freude dieses Abenteuer auszukosten. Zu jedem Abenteuer gehört das eine oder andere ungeplante dazu. Plötzlich bewegte sich der Eisberg und verließen den Eisberg wieder. Das Herz klopfte bei allen.




Aber diese Eindrücke sollten euch die neuen Pasterzen-Schwimmerinnen beantworten. Nach über 30 Minuten war dann das Eisschwimmen vorüber – unglaublich lange! Es wurde ein wenig gezittert aber das ist normal bzw. das ist erwünscht.

Die neuen Pasterzen-Schwimmerinnen: Barbara, Barbara, Silvia, Stefie, Michi und Melanie!



Herzliche Gratulation zu euren Mut, Kraft, Freude und Liebe zum kalten Wasser.

Der Aufstieg war gleich schnell als der Abstieg. Man sieht also wie die Kälte regenerativ wirkt.



Nun aber auf zum Bärenwirt. Wir haben Bärenhunger! Im Eisbus wurden alle Erlebnis nochmals besprochen und im Detail geschildert. Man konnte die positive Energie spüren. Das Speisen war ein wahrer Genuss. Die Höhe, die Anstrengung und der Spaß haben bei jedem großen Appetit hervorgerufen. Ein guter Platz um nach so einem Abenteuer zu entspannen. Ein wenig viel Verkehrslärm aber das störte nur kurz – unser Lachen war lauter!

Von hier aus sind es 4 Stunden bis nach Wien – ohne Zwischenfall! Leider mussten wir uns nun von Stefie verabschieden. Sie hatte einen kürzeren Weg vor sich.

Wir fuhren über Sankt Johann im Pongau über Salzburg nach Wien! Stopp – das wäre zu einfach. Leider gerieten wir vor Oed in einen Stau. Zum Glück und auf Drängen von Barbara verließen wir die A1. Die Rettungsgasse und wie sie funktioniert dürfte sich noch nicht so rumgesprochen haben. Ein leerer Tiertransporter hatte einen brennenden Reifen und kippte um. Eine Totalsperre bis 0200 Uhr. Da schliefen wir schon fein.

Fazit: Alle Teilnehmer des Schwimmens in der Pasterze konnten ihre Ziele erreichen und ein gewaltiges Microabenteuer erleben. Ein Wochenende voller Spaß und coolen Erlebnissen.





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